Wie man Herr über anderer Leute Geld wird




Amerikanische Wirtschaftsforscher haben herausgefunden, das es nahezu unmöglich ist, mit seiner Hände Arbeit so viel Ersparnisse zu schaffen, daß man irgendwann eine Million zusammen hat.

Einer der reichsten Männer Amerikas, ein bescheiden im Hintergrund lebender Mr. Hicks, Besitzer großer Industrieunternehmen und Börsenmillionär, brachte diese Erkenntnis einmal auf den Punkt und meinte: "Man wird kein Millionär durch sparen, sondern durch borgen."

Als Napoleon Hill sein bekanntes Buch "Denke nach und werde reich" schrieb und dafür etwa 500 Millionäre nach ihrem Erfolgssystem befragte, antworteten fast alle einstimmig, daß sie mit Geld wieder Geld verdienten und erst durch die Hinzunahme von Fremdmitteln die eigenen Mittel so vermehren konnten, daß sie zu Reichtum und Millionen kamen.

Benjamin Franklin, der nicht nur Erfinder des Blitzableiters, sondern auch ein angesehener Staatsmann und Erfolgslehrer seiner Zeit war, zeigte in seinem Buch "The way of wealth" (Der Weg zum Wohlstand) wie man es machen muß, um sich von ganz unten zum wohlhabenden Mann emporzuarbeiten..

In seinen 13 Punkte umfassenden Finanzregeln findet sich unter anderem der Hinweis: "Werden Sie Herr über anderer Leute Geld". Damit sollte gesagt werden, daß man sich durch eine positive Zahlungsmoral jene Kreditwürdigkeit schaffen soll, durch die einem andere Leute - und das sind vornehmlich Banken und auch Lieferanten - die Möglichkeit eröffnen mit ihrem Geld zu arbeiten. Wörtlich schreibt er: "Wer bei Banken und Lieferanten als pünktlicher Zahler bekannt ist, kann zu jeder Zeit damit rechnen, daß man ihm Verfügungsrecht über annähernd jeden Geldbetrag einräumt. Kommt es dann wirklich einmal zu Schwierigkeiten, spricht ein solcher Kreditnehmer mit seinen Gläubigern und wird auf Verständnis und Entgegenkommen stoßen. Dem säumigen Zahler hingegen räumt man nur ungern eine zweite Chance ein."

Das hat sich heute noch nicht geändert. Zwar sind Banken - entgegen der guten alten Franklin Zeit - kaum noch bereit ohne Sicherheiten und nur auf das gute Wort eines Kunden hin Darlehen zu gewähren, aber wer über lange Zeit hinweg als seriöser Kreditnehmer eingestuft wird, kann schneller mal über 5.000 bis 10.000 € verfügen als derjenige, den man zur Rückzahlung seiner Gelder erst zwingen mußte.

Auf dieser Erkenntnis basiert beispielsweise ein gern vorgestellter Plan, nach dem man innerhalb von 24 Stunden um die 100.000 € ohne Sicherheiten oder Grundbucheintragungen erhalten kann. Der Autor dieses Tips geht dabei von der Überlegung aus, daß man in 10 verschiedenen Bankinstituten kurzfristig kleinere Geldbeträge aufnimmt und immer zum festgesetzten Zeitpunkt ordentlich zurückzahlt. Diese Beträge werden im Lauf der Zeit immer größer, bei stets zunehmender Kreditdauer. Schließlich hat man drei- bis viermal Kredite in Anspruch genommen und jeweils pünktlich - oder gar noch früher - wieder zurückgezahlt, so daß man an den 10 Kreditinstituten nunmehr innerhalb von 24 Stunden je 10.000 € leiht, was zusammen einem Betrag von 100.000 € entspricht. Selbst wenn man - auf deutsche Verhältnisse bezogen - sagen muß, daß die Aufnahme von 10.000 € den Rahmen eines Kleinkredits wohl sprengen dürfte, ergeben aber auch Beträge bis 5.000 € je Einzelkredit auf das Ganze gesehen noch 50.000 €. Mit diesem Geld kann man allerhand anfangen.

Es stimmt also tatsächlich, daß man a) auf Banken bezogen durchaus auch größere Geldbeträge geliehen bekommen kann also Herr über das Geld anderer Leute wird - wenn man die einfachsten Regeln der Seriosität beachtet, dann aber b) auch bei Lieferanten Vorteile erhält. Jede Rechnung, die Sie pünktlich innerhalb der gesetzten Frist begleichen, eröffnet Ihnen Zugriff auf weitere Gelder.

Wenn Sie in ein Geschäft gehen und einen Artikel im Werte von 500 € kaufen, müssen Sie diesen Betrag mit Entgegennahme der Ware hinblättern. Sofern Sie das Geld nicht hätten, müßten Sie dafür bei einer Bank hohe Zinsen bezahlen.

Bestellen Sie die gleiche Ware bei einem Händler mit eingeräumtem Zahlungsziel von 4 Wochen, können Sie sich entweder die Zinsen bei der Bank sparen oder aber Ihr eigenes Geld noch bis zu 4 Wochen auf Ihrem Konto liegen lassen. Das bedeutet: Sie können bis zu 4 Wochen mit den 500 € Ihres Lieferanten arbeiten. Handelt es sich gar um ein Produkt, das 5.000 € oder mehr kostet, erhalten Sie hierauf praktisch einen Monat lang zinslosen Kredit bei der Lieferfirma.

Um verzögerten Zahlungseingängen vorzubeugen, bieten die Lieferanten Ihnen 2- 3% Skonto, sofern Sie innerhalb von 14 Tagen ihre Rechnung begleichen. Dieser gesparte Betrag gleicht Ihren Zinsverlust aus, wenn Sie das Geld vom Konto überweisen. Gegenüber der sofortigen Barzahlung im Geschäft sparen Sie also nicht nur die Zinsen für ein eventuell aufzunehmendes Darlehen, sondern erhalten noch 2- 3% Skonto hinzu.

Sofern Sie jederzeit pünktlich zahlen - und dabei die Skonti ausnützen - können Sie ggf. auch einmal vereinbaren, daß Lieferanten Ihnen ohne besonderen Aufpreis die Zahlung in 3 bis 5 Raten gestatten. Dadurch sparen Sie für diese Zeit einen Zinsverlust bei Ihrer Bank. Das können einige hundert Mark sein.

Nehmen wir an, Sie würden den Kaufbetrag, den Sie normalerweise am ersten Tag nach Erhalt der Ware entrichten müßten für die ausgehandelten drei Monate in Börsenpapieren anlegen, könnten Sie mit diesem Geld, das Ihnen praktisch ja gar nicht mehr gehört, noch gute Zusatzgewinne erzielen. Sie arbeiten also in der Tat mit dem Geld anderer Leute.

Das gleiche gilt, wenn Sie beispielsweise für einen von Ihnen vertriebenen Artikel eine Werbeanzeige aufgeben. Abgesehen von Kleinanzeigen und privaten Inseraten brauchen Sie die Rechnung hierfür in der Regel ent in 3 bis 4 Wochen begleichen. Innerhalb dieser Zeit werden aber - Wenn das Produkt gut und die Anzeige zugkräftig ist - bereits einige Bestellungen vorliegen, mit denen sich der Preis für die Anzeige amortisiert. Auch hier arbeiten Sie zunächst mit dem Geld anderer Leute, nämlich mit dem der Zeitungsverleger. Bei gutem Funktionieren dieser Methoden bezahlen Sie lediglich mit einem Teil der Einnahmen aus der Werbung die Kosten für das Inserat.

Druckereibetriebe sind meistens auch bereit gegen Rechnung zu liefern und damit ein Zahlungsziel von bis zu 4 Wochen einzuräumen. Es mag sein, daß man Ihnen bei Erstaufträgen Sofortkasse abverlangt, aber bei späteren Anschlußaufträgen werden Sie dieses erbetene Zahlungsziel sicherlich erhalten.

Sie schicken dann die gedruckten Werbeprospekte hinaus und bezahlen ebenfalls von den eingehenden Aufträgen die Rechnung für die Drucksachen. Der Trick bei der Sache ist also immer der, Zahlungen erst dann zu leisten, wenn für den gekauften oder in Anspruch genommenen Gegendienst eigene Einnahmen vorliegen.

Im Grunde arbeiten ja fast alle Geschäfte auf dieser Basis. Ein Spielwarenladen, der einen gut laufenden Artikel anbietet, bezahlt seine Rechnung nach 4 Wochen, während er jedoch die Ware vielleicht bis zu diesem Zeitpunkt mit Gewinn verkauft hat. Das trifft auf Textilgeschäfte, Bücherhändler und viele andere Unternehmenszweige zu. Wenn der Absatz floriert, lebt der Verkäufer von den Krediten der Lieferanten.

Dieser Grundsatz wird nur dann durchbrochen, wenn die zunächst auf Kredit erworbene Ware sich nicht so absetzen Iäßt wie erhofft. Dann muß entweder das eigene Kapital angegriffen werden oder in der Hoffnung auf bessere Verkaufe das Geld einer Bank in Anspruch genommen werden.

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